Charlie-Sheen-Effekt: Outing rief HIV ins Bewusstsein der Menschen

Charlie-Sheen-Effekt: Outing rief HIV ins Bewusstsein der MenschenEnde 2015 outete sich der Hollywoodstar Charlie Sheen in der Öffentlichkeit als HIV-positiv. Er tat dies zwar nicht freiwillig, sondern um Erpressern und Journalisten zuvor zu kommen. Dennoch kann man das Outing aus heutiger Sicht als Dienst an der Gesellschaft sehen – dabei hat Sheen nicht einmal aktiv Werbung für HIV-Tests und Selbstreflexion gemacht.

Die positive Seite des Outings war, dass sich auf einmal viel mehr Menschen mit dem Thema auseinandergesetzt und sich im Zweifelsfall selbst getestet haben oder testen ließen. Nach dem Outing des Hollywoodstars schnellten Suchanfragen für HIV und AIDS sowie Verkäufe von HIV-Selbsttests in die Höhe. Innerhalb der nächsten vier Wochen nach dem Outing verkauften sich die beliebtesten Schnelltests 8.225 häufiger als eigentlich vorausgesehen.

Der Charlie-Sheen-Effekt war insgesamt siebenmal stärker als der Einfluss des Welt-Aids-Tages. Das haben Forscher der University of Southern California herausgefunden, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Prevention Sciences“ veröffentlicht haben.

Warum Selbstreflexion bei HIV so wichtig ist, ab wann es Schnelltests in Deutschland geben könnte und welches Promi-Outing bereits im Jahr 2013 für einen ähnlichen Effekt sorgte, erfahren Sie im folgenden Artikel. 

Darum ist Selbstreflexion bei HIV so wichtig

Das Wissen um eine HIV-Infektion ist bereits der erste wichtige Schritt zur Prävention der weiteren Verbreitung der Krankheit. Nur wer von sich selbst weiß, dass er HIV-positiv ist, kann sich und seine Partner entsprechend schützen.

Und genau hier liegt ein großes Problem: In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts rund 84.700 HIV-positive Menschen. Allerdings wissen nach Hochrechnungen  12.600 Patienten gar nichts von ihrer Erkrankung. Aufgrund dessen ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese Menschen weitere Menschen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit dem HI-Virus infizieren. In den USA gibt es schätzungsweise 1,2 Millionen Infizierte. Einer von acht Infizierten weiß nichts von seiner Erkrankung.

Gibt es HIV-Schnelltests bald auch in Deutschland?

Viele Menschen haben keine Lust, sich für einen HIV-Test zum Arzt, zur Apotheke oder zu einer entsprechenden Präventionsstelle zu begeben. Sie schämen sich und fühlen sich durch ihren Gang zum Test bereits als HIV-positiv gebrandmarkt. In den USA gibt es für solche Menschen HIV-Schnelltests für Zuhause. In Deutschland sind diese noch nicht zugelassen.

Seit Anfang Mai diskutiert das Bundesgesundheitsministerium allerdings darüber, ob HIV-Schnelltests nicht auch in Deutschland zugelassen werden sollten. Der Vorteil liegt dabei auf der Hand: Es würden sich mehr Menschen testen. Die Frage ist dabei natürlich, wie zuverlässig solche Tests sind. Das versucht man aktuell herauszufinden. Wir dürfen gespannt sein, ob sich diesbezüglich in den nächsten Monaten etwas tut.

Eine ähnliche Situation: Der Jolie-Effekt

Eine ähnliche Situation wie den Charlie-Sheen-Effekt gab es bereits im Jahre 2013, als Angelina Jolie öffentlich darüber sprach, dass sie sich beide Brüste hat entfernen lassen. Der Grund: Erblich bedingter Brustkrebs. Damals stieg die Anfrage nach Vorsorgeuntersuchungen für Brustkrebs alleine in Deutschland um ein Zehnfaches an, da die tückische Krankheit durch das Outing ins Bewusstsein der Menschen gebracht wurde.

Die Schattenseite solcher Effekte

Die Folgen von Outings berühmter Persönlichkeiten sorgen zwar für einen kurzfristigen Effekt, auf lange Sicht gesehen ändert sich leider jedoch nichts. Nach spätestens ein bis zwei Monaten nach dem Outing flauen Selbstreflexion und das Bedürfnis nach Untersuchungen wieder rasant ab.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von Spiegel Online.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*