Truvada: HIV-Prophylaxe ist in Deutschland zu kostspielig

Truvada: HIV-Prophylaxe ist in Deutschland zu kostspielig

Truvada: HIV-Prophylaxe ist in Deutschland zu kostspielig

Seit September 2016 ist das Medikament Truvada in Deutschland erhältlich, das zur HIV-Prophylaxe eingesetzt werden kann. Seitdem kann das Mittel von jedem interessierten Bürger käuflich erworben werden.

Das klingt im ersten Moment positiv, allerdings hat Truvada auch eine Schattenseite: Es ist so teuer, dass sich kaum jemand das Medikament leisten kann. Die Politik ist sich dieses Problems zwar bewusst, allerdings hat bis heute niemand darauf reagiert, da sich weder die Politiker, noch die Krankenkassen zuständig fühlen.

Wie Truvada funktioniert, wie teuer das Mittel wirklich ist, an wen es sich richtet und zu welchen Alternativen interessierte Patienten greifen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie funktioniert Truvada?

Truvada ist ein Medikament zur HIV-Prophylaxe, das die Vermehrung der HIV-Erreger im Körper verhindert. Auf diese Weise genießt man bei täglicher und korrekter Einnahme eine Sicherheit von bis zu 90 Prozent. Sprich: Selbst bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Menschen, sollte man sich normalerweise nicht mit dem HI-Virus infizieren.

Die einzigen Menschen, die sich trotz der Einnahme von Truvada während der klinischen Studien dennoch mit HIV infiziert haben, waren homosexuelle Männer, die das Medikament nicht ordnungsgemäß eingenommen haben. Dies verdeutlicht, dass das genaue Befolgen der Packungsbeilage essenziell wichtig ist.

Wie teuer ist Truvada in Deutschland?

In Deutschland kostet eine Monatsration Truvada 820,00 Euro. Hierbei ist anzumerken, dass die Krankenkassen nicht für Medikamente zur Prävention aufkommen. Man muss den Betrag also vollständig selbst bezahlen. In Deutschland werden von Krankenkassen lediglich Impfstoffe und Vorsorgeleistungen gezahlt.

In anderen Ländern sieht die Situation häufig anders aus: Hier sind entweder deutlich günstigere Generika erhältlich, oder aber die Krankenkassen bezahlen zumindest einen Teil der Kosten.

Eines steht fest: Eine HIV-Prophylaxe kann nur dann funktionieren, wenn sich auch die breite Masse die Medikamente leisten kann. Wenn sich ein bestimmtes Medikament niemand leisten kann, dann ist es quasi überflüssig. Die Gesundheit der Menschen sollte immer im Vordergrund stehen.

An wen richtet sich das Medikament?

Truvada richtet sich vorwiegend an Menschen, die einem besonders hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Im Fokus stehen dabei vor allem homosexuelle Männer. Die Zahlen bestätigen dieses Bild: Laut Robert-Koch-Institut haben sich im Jahr 2016 insgesamt 3.200 Menschen neu mit HIV infiziert. 2.200 davon waren homosexuelle Männer, also 68,75 Prozent.

Bei der Einnahme von Truvada muss das HIV-Risiko den Kosten und den Nebenwirkungen überwiegen, die nicht zu unterschätzen sind. Dazu gehören insbesondere Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen und Übelkeit. Die Nebenwirkungen treten im Schnitt bei jedem zehnten Patienten auf.

Welche Alternativen gibt es?

Aktuell ist die einzige wirkliche Alternative ein Truvada-Generikum aus Indien. Dieses kann auf legalem Wege in Großbritannien bestellt und dann über die Grenze gebracht werden. Ein Generikum ist ein Nachahmerpräparat von einem anderen Hersteller, das aber deutlich günstiger ist und dennoch dieselben Wirkstoffe enthält. Auch die Wirkung selbst muss der des originalen Produkts zu 80 bis 120 Prozent gleichen. Im Falle von Truvada heißt das indische Generikum Tenivir-EM.

Aber auch hier wird interessierten Patienten ein Knüppel zwischen die Beine geworfen: In Deutschland genießt Truvada bis Juli 2017 Patentschutz, weshalb Truvada-Generika hierzulande illegal sind und nicht verkauft werden dürfen. Der Weg über Großbritannien ist eine rechtliche Grauzone. Ab Juli 2017 können Generika allerdings auch endlich in Deutschland gekauft werden.

Eine weitere logische Alternative sind Kondome. Diese werden von homosexuellen Männern jedoch häufig nicht akzeptiert, da diese im Eifer des Gefechts nicht imstande dazu sind, Kondome überzustreifen. Des Weiteren lehnen viele Männer Kondome mit Hinweis auf auftretende Erektionsstörungen ab.

Trotz aller Kritik sind Kondome immer noch das sicherste und günstigste Mittel, wenn man sich nicht mit Geschlechtskrankheiten infizieren möchte. Der Hersteller von Truvada empfiehlt übrigens auch während der Einnahme der Prophylaxe, zusätzlich Kondome zu verwenden. Dies steigere zum einen die Sicherheit, und zum anderen schützen sie den Patienten zudem vor allen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Truvada funktioniert als Präventionsmaßnahme gegen das HI-Virus.

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